Chronik
Der Ursprung der Bruderschaften und die Verehrung des Heiligen Sebastianus
Kriegerische Auseinandersetzungen versetzten unsere Vorfahren im 16. und 17. Jahrhundert oftmals in Angst und Schrecken und stürzten sie in großes Elend. Zu dieser Zeit schlossen sich die Bürger zu Schützengesellschaften und Bruderschaften zusammen, um ihre Familien und ihr Eigentum vor marodierenden und plündernden Truppen und herumstreunender Soldateska zu schützen.
Wie sich aus alten Wehrordnungen ergibt, war jeder Bürger waffenpflichtig und musste sich dementsprechend auch ausbilden lassen. Das Wort “Schütze” ist im Übrigen nicht von “Schießen”, sondern von “beschützen” abgeleitet.
Für die Gründung von Bruderschaften waren aber neben dem Schutz in kriegerischen Zeiten noch andere Gründe maßgebend:
– das durch schwere Arbeit gekennzeichnete eintönige Landleben sollte durch gesellige Veranstaltungen – wie Vogelschießen und Schützenfeste – unterbrochen werden;
– in den Jahren der Pestseuchen sollte den Kranken Beistand geleistet werden.
So ist die frühere Fernwaffe der Schützen, der Pfeil, Symbol der Pestseuche, die wie ein unscheinbarer Pfeil den Menschen mit tödlicher Wirkung überfiel und niederwarf. Der von Pfeilen durchbohrte Sebastianus war Vorbild für die Sebastianus-Bruderschaften, Kranke zu bergen und zu pflegen sowie Arme und Elende zu speisen.
Der Heilige Sebastianus – Schutzpatron
der Linder Bruderschaft
Der Heilige Seabstian(us), dessen aus dem Griechischen stammender Name “der Erhabene” bedeutet, gehört zu den bekanntesten und auch wohl am häufigsten dargestellten Märtyrerern aus der Frühzeit des Christentums. Als Patron der Sterbenden, der Töpfer, der Zinngießer, der Gärtner, Gerber und Soldaten wurde er in den vielfältigsten Anliegen angerufen, seit dem 7. Jahrhundert aber wurde er vornehmlich als Helfer gegen die Pest verehrt, weil er zum Tode durch Erschießens mit Pfeilen verurteilt worden war und man damals annahm, dass die Pest von Pestengeln oder Dämonen durch geheimnisvolle Pfeile verursacht wurde. Nach einer anderen Version erlosch die Pest im Jahre 680 in Rom, nachdem die Reliquien des Hl. Sebastianus durch die Stadt getragen worden waren.
Eine Überlieferung besagt, dass Sebastianus im dritten Jahrhundert in Narbonne im heutigen Frankreich geboren wurde; nach einer anderen Version war sein Geburtsort Mailand, woher seine Mutter stammte und wo er auch heranwuchs. Hier lernte er schon früh das Christentum kennen, dessen eifriger Anhänger er wurde.
In seinem Beruf als Offizier und Befehlshaber der Prätorianischen Leibwache des Kaisers in Rom bewährte er sich durch Zuverlässigkeit und Pflichttreue und nutzte seine Stellung, um den gefangenen Christen beizustehen. Als aber der Kaiser Diokletian von seinem Christsein erfuhr, ließ er ihn an einen Pfahl binden und von Bogenschützen mit Pfeilen beschießen, bis man ihn für tot hielt. Eine fromme Witwe, die seinen Leichnam bergen wollte, bemerkte jedoch, dass Sebastianus noch lebte und pflegte ihn gesund. Nach seiner Genesung stellt er sich mutig dem Kaiser, um ihm Vorhaltungen wegen seiner grausamen Christenverfolgung zu machen. Dieser ließ ihn daraufhin von seinen Soldaten mit Stöcken zu Tode prügeln. Sein Todestag soll der 20. Januar 288 gewesen sein. Seit dem Jahre 354 wird das Fest des Heiligen an seinem Todestag, dem 20. Januar, gefeiert.
In der Kunst wird Sebastianus meistens als entblößter, an einen Baum gebundener und von Pfeilen durchbohrter Jüngling dargestellt; auf älteren Abbildungen auch als bärtiger Krieger oder Ritter.
Quellen:
Ernst und Hans Melchers – Bearbeitung Carlo Melchers -: Das große Buch der Heiligen – Geschichten und Legenden im Jahreslauf, München und Bonn 1978
Schauber, Schindler: Heilige und Namenspatrone im Jahreslauf